About Dreizehn Einhalb Gramm
Hi, ich bin Folke; die Person mit den matschigen Händen hinter Dreizehn Einhalb Gramm.
Angefangen hat es mit einer La Pavoni Handhebel-Espressomaschine, einem Weihnachtsgeschenk meiner Eltern. Wochenlang habe ich an Mahlgrad, Wassertemperatur und Druck gefeilt, auf der Suche nach dem perfekten Shot. Die Zahl, die am Ende dabei herauskam: dreizehneinhalb Gramm Kaffee für einen Espresso.
In dieser Präzision steckte alles, woran ich damals glaubte: Detail, Optimierung, die Idee, dass sich die richtige Antwort konstruieren lässt. Dreizehn Einhalb Gramm begann als Symbol für dieses Streben. Und kaum stimmte der Espresso, stand die nächste Frage schon im Raum: woraus ich ihn trinken würde.

vom kaffee zur tasse.
Anfang 2022 kaufte ich eine Töpferscheibe. Mit einem Architekturstudium im Hintergrund und etwas Vorerfahrung im Ton dachte ich, ich könnte die passende Tasse für den Espresso einfach entwerfen.
Ton ist nicht so gehorsam wie Zahlen. Anders als beim Espresso gibt es für seine Form keine feste Formel. Kleine Abweichungen verändern alles, und Unregelmäßigkeiten entstehen, ob man sie will oder nicht. Gerade die Details, die sich nicht vollständig kontrollieren lassen, geben einem Stück seinen Charakter. Langsam wurde das zur interessanteren Frage.
die illusion der perfektion.
Zum Kaffee kam ich wegen der Präzision. Der Ton lehrte mich loszulassen. Das Material verlangt einen langsameren Rhythmus; kleine Unterschiede zeigen sich in jedem Stück. Perfektion ist ein Moment, Abweichung ein Teil der Arbeit.
Heute steht Dreizehn Einhalb Gramm nicht mehr für enge Exaktheit. Daraus ist eine Balance geworden zwischen Aufmerksamkeit fürs Detail und dem Annehmen von Unregelmäßigkeit; in der Keramik, und in der Art, wie ich arbeite. Der Wandel war nicht nur meiner. Auch der Blick auf handgemachte Objekte hatte sich zu verschieben begonnen.
ein gegengewicht.
Handgemachte Objekte wirken als Gegengewicht zur Massenproduktion. Vor einigen Jahren begann Keramik, ein deutlich breiteres Publikum zu finden. Menschen suchen mehr Bedeutung in den Objekten, die sie jeden Tag berühren.
Handwerk ist inzwischen ein strapaziertes Wort, und wie gut etwas gemacht ist, hängt davon ab, wen man fragt. Für mich zählt mehr, wie viel von der Person am Ende im Ding steckt. Das ist der Teil, zu dem ich immer wieder zurückkomme.

dreizehn einhalb gramm.
Ich habe Dreizehn Einhalb Gramm gegründet, um Objekte zu machen, die man benutzt. Tassen, Schalen und Teller, die Teil des Alltags werden; gespült, angeschlagen, repariert, behalten. Eine Tasse im Regal erzählt eine Geschichte. Eine Tasse im Gebrauch eine andere. Sie zeigt, ob der Rand richtig an der Lippe sitzt, ob das Gewicht stimmt, wenn sie voll ist, ob die Glasur jahrelangen Gebrauch übersteht. Gebrauch ist noch immer der ehrlichste Test, den ich kenne.
Handgemachtes zu kaufen ist etwas anderes. Bei einer industriellen Tasse kaufst Du eine Form, die es tausendfach gibt; niemand hat sich für genau Deine entschieden. Bei einer handgemachten Tasse sitzt ein Mensch hinter dem Objekt: jemand hat genau dieses Stück Ton gewogen, seine Wand auf der Scheibe gezogen, seine Kurve beurteilt und irgendwann entschieden, dass es fertig ist. Diese Aufmerksamkeit bleibt im Stück, und sie verändert, wie sich das Objekt in der Hand anfühlt; mit der Zeit verändert sie, wie mit dem Objekt umgegangen wird.

das studio.
Jedes Stück wird im Studio in Frankfurt am Main auf der Scheibe gedreht. Ich arbeite in der ganzen Kollektion mit zwei schamottierten Steinzeugmassen: einer hellen und einer eisenreichen. Die Glasuren entwickeln sich mit den Formen weiter; manche bleiben über Jahre, andere wechseln mit den Jahreszeiten, wenn neue ihren Weg in die Kollektion finden. Jedes Stück wird im Brennofen bei 1245 °C gebrannt.
Nichts entsteht in großer Menge, und keine zwei Stücke gleichen sich exakt.